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Editorial & Culture · Plau am See · 8. September 2026

Man muss hier zweimal hinsehen.

Marias KostBar ist Café, Wohnzimmer, Büro und Galerie. Manchmal alles gleichzeitig. Und genau deshalb entdeckt man hier bei jedem Blick etwas, das vorher noch nicht da war.

Text & Fotografie: Tina Schlesier · ca. 5 Min. Lesezeit

Frau auf rotem Sofa im Gastraum von Marias KostBar mit Kunst und Büro im Hintergrund

Zwischen Gastraum, Kunst und Büro verschwimmen bei Marias Kostbar die Grenzen – und genau darin liegt der Charme dieses Ortes.

Der erste Blick

Es gibt Orte, die erklären sich beim Betreten. Und dann gibt es Marias KostBar im Hotel Haus Sajons.

Hier steht ein Sofa im Gastraum. Das Büro ist kein abgeschlossener Raum hinter einer Tür, sondern Teil dessen, was hier passiert. Man arbeitet dort, wo andere ihren Kaffee trinken. Man redet. Bleibt hängen. Schaut sich um.

Und stellt irgendwann fest: Beim ersten Blick hat man mindestens die Hälfte übersehen.

Vielleicht ist genau das das Prinzip.

Eingang von Marias KostBar mit Schild Kuss Haltestelle, Frau und großem Hund in der geöffneten Tür

Schon der Eingang verrät, dass hier nichts ganz gewöhnlich ist: Unter der Kuss Haltestelle beginnt ein Ort voller kleiner Geschichten.

Kein sauberer Grundriss

Ein bisschen Café. Ein bisschen Wohnzimmer. Ein bisschen Museum.

Marias KostBar hält sich erstaunlich wenig an die übliche Ordnung von Gastronomie. Nichts wirkt wie aus einem Einrichtungskatalog durchdekliniert. Stattdessen stehen Dinge da, weil sie offenbar eine Geschichte haben oder weil jemand sie schön findet.

Bilder lehnen am Fenster. Eine alte Lampe steht neben einem Blumenmotiv. Spitzenstoff, Vasen, Bücher, Trockenblumen. Nichts schreit nach Aufmerksamkeit. Trotzdem bleibt der Blick ständig irgendwo hängen.

Man sitzt nicht nur hier. Man gerät ins Schauen.

Gerahmte Bilder auf einer Fensterbank

Bilder stehen nicht nur an Wänden. Sie tauchen auf, wo man sie nicht unbedingt erwartet.

Vintage-Lampe und Gemälde auf einer Fensterbank

Lampe, Gemälde, Pflanze, Kabel. Nichts wird für den perfekten Katalogblick versteckt.

Die Hausordnung

Und dann gibt es da noch die Kuss-Haltestelle.

Ein kleines Schild, ein trockener Kranz, eine ziemlich eindeutige Botschaft: Kuss Haltestelle.

Man kann das als Deko abtun. Man kann aber auch verstehen, was es über diesen Ort sagt. Hier darf es persönlich sein. Ein bisschen verspielt. Ein bisschen eigensinnig. Nicht jede Idee muss durch ein Corporate-Design-Handbuch.

Schild Kuss Haltestelle an einer dunklen Holzwand

Eine der Stellen, an denen klar wird: Dieser Ort nimmt sich nicht wichtiger als seine Gäste.

Die Kunst

Manchmal fühlt es sich tatsächlich an wie ein kleines Museum.

Zu sehen sind unter anderem Arbeiten des in Plau am See beziehungsweise im Ortsteil Lalchow ansässigen Kunstmalers Jürgen Seifarth. Seine Bilder passen hier hinein, weil sie nicht wie eine separat kuratierte Ausstellung behandelt werden. Sie werden Teil des Raums.

Genau dadurch entsteht dieses Gefühl, immer wieder etwas Neues zu entdecken: ein Motiv hinter einer Lampe, ein gerahmtes Bild am Fenster, eine Fotografie, die beim ersten Kaffee noch gar nicht aufgefallen ist.

Der Ort zeigt Kunst nicht mit Museumsabstand. Er lässt sie mitwohnen.

Spitzenvorhang und Glasvase am Fenster

Die stillen Ecken sind fast wichtiger als die großen Gesten.

Blumen und Buch auf der Fensterbank im warmen Licht

Fensterlicht, Blumen und ein Buch über verlassene Orte in Mecklenburg-Vorpommern. Auch das gehört zu dieser sonderbaren, schönen Mischung.

Das Haus

Die Geschichte beginnt lange vor Maria.

Das denkmalgeschützte Gebäude in der Großen Burgstraße 6 gehört zu den Häusern, die Plau am See nach dem großen Stadtbrand von 1756 geprägt haben. Später wurde es aufwendig saniert und als Hotel Haus Sajons mit Café genutzt.

Am 1. April 2023 übernahm Maria Adamschewski das Hotel Haus Sajons als neue Betreiberin. Sie öffnete das Haus nicht nur für Hotelgäste, sondern stärker für den Ort selbst: mit Gastronomie, Veranstaltungen und dieser sehr eigenen Mischung aus Gastlichkeit, persönlichem Stil und Dingen, die nicht aussehen, als hätte jemand sie am Reißbrett geplant.

Das ist vermutlich der spannendste Punkt an Marias KostBar: Die Grenzen verschwimmen. Zwischen Arbeit und Gastsein. Zwischen Hotel und Treffpunkt. Zwischen Kunst und Einrichtung.

Historischer Eingang mit dunklen Holztüren und Kränzen

Schon der Eingang wirkt eher wie eine Einladung in eine Geschichte als wie ein klassischer Gastro-Auftritt.

Willkommensschild, Eukalyptus und Schokoladen-Schälchen auf einem sonnigen Tisch in Marias KostBar

Ein kleiner Satz am Eingang. Und plötzlich fühlt sich ein fremder Ort ein bisschen nach Zuhause an. 🖤

Der Schlusspunkt

Andere Locations richten Räume ein.

Marias KostBar wirkt eher, als würde der Raum jeden Tag ein Stück weiterleben.

Das Sofa bleibt Sofa. Das Büro darf Büro bleiben. Kunst muss nicht museal wirken. Eine Lampe darf ein Kabel haben. Und an einer dunklen Wand darf ein Schild hängen, das einfach nur sagt, dass Küssen hier eine gute Idee ist.

Man muss hier zweimal hinsehen. Beim zweiten Mal ist es meistens noch besser.

Quellen für die historischen Betreiberangaben: Plauer Amtsblatt Nr. 6/2023 und Plauer Zeitung Nr. 03/2024. Der Hinweis auf ausgestellte Arbeiten von Jürgen Seifarth beruht zusätzlich auf der Beobachtung vor Ort; der Zusatz „exklusiv" wird bewusst nicht verwendet, solange er nicht separat bestätigt ist.