Warum verrottete Äpfel mehr Wahrheit haben als Werbeflächen.
Vor dir: ein Haus, das aus jedem Exposé gefallen ist. Daneben: ein Apfelbaum, der so tut, als würde hier noch jemand leben. Die Fassade bröckelt, die Früchte platzen. Der Kontrast ist so laut, dass du ihn fast überhörst.
Die Äste stehen schwarz vor dem blassen Putz, als hätten sie sich schon zu oft gegen den Wind gestemmt. Dazwischen dieses aggressive Rot – Äpfel, die niemand mehr pflückt. Überfluss, der langsam in Ruhe zerfällt.
Je näher du gehst, desto weniger romantisch wird es – und desto ehrlicher. Keine perfekte Haut, keine Supermarktpolitur, kein „Bio“-Sticker. Nur Obst, das seine Aufgabe erfüllt hat und jetzt das tut, was alles Lebendige irgendwann tun darf: loslassen.
Vielleicht ist es genau das, was dich hier so beruhigt: Niemand will dich überzeugen. Nichts versucht, sich jünger, frischer, relevanter zu machen. Der Baum trägt. Die Früchte fallen. Das Haus zerbricht. Und trotzdem wirkt nichts wie Verschwendung – nur wie ein Prozess, der sich keinen Marketingbegriff sucht.
Rotten Beauty · Kapitel: Überfluss, der verfault, weil niemand mehr hinschaut.

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