Instagram fühlt sich gerade an wie Dauerwerbesendung.

Ich öffne die App und es ist, als würde mir jemand permanent etwas in die Hand drücken: Story mit Rabattcode, Reel mit Affiliate-Link, ein „ehrlicher Tipp“, der zufällig bezahlt ist. Nicht subtil. Nicht kreativ. Nicht überraschend. Einfach Verkauf, Verkauf, Verkauf. 🖤

Und nein – das Problem ist nicht Werbung an sich. Das Problem ist Austauschbarkeit. Viele wirken nicht mehr wie Menschen mit Haltung, sondern wie Vertriebsflächen mit Gesicht. Man spürt es sofort, weil alles gleich klingt, gleich aussieht und gleich endet: „Hier ist mein Code.“

Warum das gerade so eskaliert? Weil der Druck gestiegen ist. Reichweite ist unberechenbarer, Engagement bricht schneller weg, Marken zahlen selektiver – und Affiliate ist für viele die letzte halbwegs planbare Einnahme. Also wird alles monetarisiert: der Alltag, die Emotion, die Nähe, manchmal sogar die Müdigkeit.

Das Tragische daran ist: Das Publikum ist längst weiter. Menschen merken, wenn Begeisterung gespielt ist. Sie erkennen, wenn Storytelling nur Verpackung ist. Und dann passiert dieser leise, tödliche Moment: Man scrollt weiter, ohne dass etwas hängen bleibt.

Im Kern stehen gerade zwei Wege offen. Der erste ist der laute: mehr Kooperationen, mehr Codes, mehr „ich nutze das schon ewig“ (seit Dienstag). Kurzfristig kann das Geld bringen, langfristig frisst es Vertrauen. Der zweite Weg ist der stabile: eigene Produkte, eigene Systeme, eigene Narrative. Weniger Werbung, mehr Kontrolle, mehr Glaubwürdigkeit.

Instagram ist nicht tot. Aber das alte Influencer-Spiel stirbt gerade sichtbar vor unseren Augen. Die eigentliche Frage ist nicht „Wie verkaufe ich mehr?“, sondern: Wofür stehe ich – auch dann, wenn gerade niemand bezahlt?

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The Art of Feeling. Amplified.

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